Die Informationsstelle Militarisierung (IMI) hat eine neue Studie veröffentlicht, die sich kritisch mit der Entwicklung Berlins als Wirtschaftsstandort auseinandersetzt. Autor Chris Hüppmeier zeichnet darin nach, wie sich die einstige Selbstbezeichnung der Stadt als „Startup-Hauptstadt“ heute zunehmend mit den Interessen der Rüstungsindustrie verknüpft.

Ausgangspunkt der Analyse ist die Startup-Förderpolitik, die in den 2010er Jahren unter dem damaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit eingeleitet wurde. Unternehmen wie Zalando, Rocket Internet oder Trade Republic gelten heute als Aushängeschilder dieser Zeit – aus kleinen Berliner Gründungen wurden global agierende, börsennotierte Konzerne. Ziel des damaligen Senats war es, aus der Hauptstadt ein deutsches Pendant zum Silicon Valley zu formen und zehntausende neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Der Autor verweist jedoch darauf, dass dieses Versprechen von Wohlstand für breite Teile der Bevölkerung nicht eingelöst wurde. Besonders Menschen im Ostteil der Stadt, die nach der Wende bereits durch Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichen Umbruch geprägt waren, hätten von der neuen Gründerszene kaum profitiert. Stattdessen entstanden häufig prekäre Beschäftigungsverhältnisse, etwa im Lieferdienst-Sektor, wo Subunternehmerstrukturen genutzt würden, um Arbeitsrechte zu unterlaufen.

Parallel dazu habe sich, so die Studie, ein Markt aus Private-Equity- und Venture-Capital-Akteuren rund um die New Economy etabliert, der auch den Berliner Immobilienmarkt erfasste. Die Folge seien Verdrängungsprozesse, steigende Mieten und eine wachsende soziale Spaltung der Stadt gewesen – ein Befund, den bereits ein Artikel der Berliner Mietergemeinschaft aus dem Jahr 2016 beschrieben habe.

An diese Entwicklung knüpft die Studie den zentralen Befund an: Zum Image der Startup-Metropole gesellt sich nun eine wachsende Rüstungswirtschaft. Die vollständige Untersuchung beleuchtet unter anderem die Rolle von Politik, Wirtschaft und Bundeswehr beim Aufbau eines „Tech Hub“ im Berliner Osten, die Umwandlung des ehemaligen Flughafens Tegel und des Gebiets Marienpark in Standorte für Rüstungs-Startups, die Verbindungen des Wissenschaftsstandorts Adlershof, sowie einzelne Rüstungsunternehmen wie Stark Defence und Quantum Systems und deren Netzwerke zu Finanzkapital und Politik.

Die vollständige Studie „Berlin – Stadt des Krieges? Triebkräfte des Krieges in der Hauptstadt der Startups“ ist auf der Website der IMI kostenlos abrufbar.

https://www.imi-online.de/download/IMI-Studie2026-6-Kriegsstadt-Berlin2.pdf

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